(Schriften der MGH 53), Hannover 2004, Hahnsche Buchhandlung, 2 Teilbde., XXXII, 389, XI, 240 Seiten, 240 Abbildungen
Rezensiert von Klaus Herbers (Erlangen) PDF-Datei
Die hier vorzustellende Veröffentlichung knüpft an zwei frühere Bücher an: "Buchkunst und Königtum im ottonischen und frühsalischen Reich" (1986) und "Bamberger Handschriften des 10. und 11. Jahrhunderts" (1995). Insgesamt 25 Skriptorien werden vorgestellt, davon die wichtige Schreibschule von Münsterschwarzach durch Elmar Hochholzer. Die Liste der besprochenen Einrichtungen macht deutlich, dass es mit diesem Band weniger um exzeptionelle Spitzenskriptorien geht, die Luxuswerke für Könige oder andere Große hergestellt haben, sondern eher um die "durchschnittliche" Handschriftenproduktion in Klöstern und Stiften. Die im Titel angedeutete geographische und zeitliche Eingrenzung wird je nach Bedürfnissen flexibel gehandhabt, wie in der Einleitung kurz erläutert wird. So ist beispielsweise der Übergang von karolingischer zu ottonischer Schrift durchaus von Skriptorium zu Skriptorium unterschiedlich anzusetzen, denkt man nur an die konservativen Schreibgewohnheiten von St. Gallen im Gegensatz zu Reichenau und Fulda.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen die Skriptorien der Diözesen von Augsburg, Konstanz, Basel, Speyer und Würzburg. Insofern betreffen einige Orte wie Augsburg, Füssen, Kempten, Münsterschwarzach, St. Ulrich oder Würzburg den Raum, der die Leser dieser Zeitschrift besonders interessiert. Ausgespart wurden die Skriptorien von Benediktbeuern und Ebersberg, weil beide Skriptorien "unter Tegernseer Einfluss gestanden haben und somit eher nach Bayern tendieren" (S. 3, Anm. 3); ebenso blieben die Diözesen Metz, Toul und Verdun unberücksichtigt, weil sie eher nach Frankreich orientiert waren (S. 4). Am eindringlichsten wird das Skriptorium von Einsiedeln vorgestellt, das mit gut 100 Druckseiten gleichsam das Herzstück des Bandes ausmacht. Wie in den anderen Fällen wird auch hier kurz eine Einleitung zur jeweiligen Institution und den sicher datierbaren Dokumenten gegeben, dann werden im Anschluss die zugeordneten Handschriften einzeln aufgeführt. Diese Einleitung macht exemplarisch deutlich, wie intensiv sich der Verfasser mit den einzelnen Handschriften und Bänden auseinandergesetzt hat, wenn er beispielsweise die jüngeren Erkenntnisse, die Matthias Tischler im Zusammenhang mit seinen Studien zum heiligen Wolfgang zu Einsiedeln geäußert hat, korrigiert (S. 51f.).
Insgesamt bietet der Band ausgesprochen konzise paläographische Beschreibungen der einzelnen Handschriften. Soweit bestimmte Schulen schon in seinen früheren Werken behandelt wurden, verzeichnet der Verfasser lediglich Korrekturen oder Nachträge. Dies gilt insbesondere für Reichenau und St. Gallen, die bereits sehr ausführlich in seinem Buch "Buchkunst und Königtum" untersucht wurden. Obwohl Hoffmann die spärlichen Überlieferungsspuren zuweilen beklagt, ist das Gesamtergebnis beeindruckend. Der Katalog zu Münsterschwarzach von Elmar Hochholzer verweist darauf, in wieweit der Einfluss des fränkischen Klosters auf das oberösterreichische Lambach und die dortigen Handschriftenschätze ausstrahlte. Besonders wichtig für künftige Studien ist das dem Band beigegebene Handschriftenverzeichnis sowie der zweite Teilband, der in gestochen scharfen Fotos ausreichend Belegmaterial zusammenstellt, um die paläographischen Beschreibungen und Schlussfolgerungen des Verfassers nachzuvollziehen. Auch dieser Abbildungsband wird durch ein Verzeichnis der jeweiligen Bibliotheken und Archive erschlossen (S. V-XI).
Die Beschreibungen und scharfsinnigen Schlussfolgerungen des Verfassers sind nicht nur für künftige Handschriftenstudien wichtig, sondern sie zeigen auch im Ensemble sehr deutlich, wie Handschriftenproduktion in "durchschnittlichen" Skriptorien funktioniert haben mag.
Erschienen am 10.01.2008
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