Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Rüdiger Glaser / Hans Gebhardt / Winfried Schenk

Geographie Deutschlands

Darmstadt 2007, Primus, 280 Seiten, zahlr. Abbildungen

Rezensiert von Dietrich J. Manske (Regensburg)      PDF-Datei


"Geographie Deutschlands" ist eine ungewöhnliche, aber interessante, sehr lesenswerte landeskundliche Beschreibung Deutschlands, seines Raumes, seiner kulturlandschaftlichen Entwicklung, seiner Wirtschaft wie der gesellschaftlichen Verhältnisse. Wer eine sach-, gar raumbezogene landeskundliche Erörterung der Einzellandschaften erwartet, ist vielleicht bei der Durchsicht des Inhaltsverzeichnisses enttäuscht. Denn er findet nur acht Themenfelder, die jeweils in ihren Wirkungszusammenhängen analysiert und in ihren Auswirkungen auf Deutschland resümierend reflektiert werden. Hinzu tritt eine sehr enge Verknüpfung der Themenfelder mit aktuellen, aus Medien, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bekannten Bezügen und Problemen.
Verwundert die Themenauswahl beim ersten Überblick - das Buch soll laut Vorwort auch und vor allem Studierenden der Geographie als "Lehrbuch" dienen - so ist man bereits beim "Eintauchen" in Kapitel 1 von Diktion, klarer, verständlicher Darstellung angetan, und liest interessiert weiter. Mit "Aktuellen Problemlagen in geographischer Sicht" wird das Werk eingeleitet, wobei eine Reihe früherer landeskundlicher Ansätze knapp und verständlich behandelt werden. Im Kapitel "Deutschland als Raum ..." werden zunächst naturgeographische Komplexe wie Naturräume, Klima, Hydrographie, Böden, Vegetation behandelt und dann auf die Gesellschaft bezogen. Das Ganze mündet in eine Gegenüberstellung räumlicher wie gesellschaftlicher Kontraste, welche oft in bequeme Schlagworte münden, wenn sie nicht - wie hier - gründlich hinterfragt werden. Kapitel 3 bietet einen knapp gehaltenen, auf wesentliche Punkte fokussierten kulturgeographischen Überblick zur Nationsentwicklung Deutschlands bis hin zur heutigen Situation im Rahmen Europas.
Das umfangreiche Kapitel 4 zeichnet die Raumentwicklung Deutschlands von der Natur- zur Kulturlandschaft bis zur industriellen, postindustriellen Situation einschließlich des demographischen Wandels nach. "Wirtschaft und Gesellschaft" (Kapitel 5) beleuchtet plakativ den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Weg Deutschlands von der Stunde "0" (1945) über das Wirtschaftswunder (mit sehr interessanten, kritischen Aspekten), die Wiedervereinigung, den Wirtschaftsstandort, die "Erlebnis- und Spaßgesellschaft" bis hin zu regionalen Disparitäten und Veränderungen im Arbeitsangebot. "Konflikte und Gefahrenräume" (Kapitel 6) mit aktuellen und medienwirksamen Diskussionsfeldern (Umweltbelastung, Hazardscapes) mündet von der Konzeption her zwangsläufig in das Thema "Raumentwicklung und Raumplanung ... im 21. Jahrhundert" (Kapitel 7), die zu einer mehr oder minder ausschließlichen "Umweltplanung" mit Umweltmanagement und ökologisch bestimmter Kommunikation heranreifen sollte. Dieses "Credo" wird in Kapitel 8 "Umwelt und Gesellschaft ..." aus der Sicht der Geographie (Glaser, Gebhardt, Schenk) nochmals knapp zusammengefasst und als Zukunftsperspektive empfohlen.
Trotz einer großen Zahl von Autoren fügen sich die einzelnen Kapitel harmonisch zu einem Ganzen zusammen. Bei Überarbeitung des Werkes sollten einige Kleinigkeiten getilgt werden: Die im Text behandelte "Elstereiszeit" fehlt in Abb. 4.13. Bei den Eisrandlagen (Abb. 4.14) sucht man "Gö" = Göhrde-Endmoräne vergeblich. Im Abschnitt "Bildung und Wissenschaft" vermisst man zur quantitativen Aussage die qualitative Wertung. Nur die Zahl der Schulabgänger mit Abschluss bedeutet noch keinen Bildungsvorsprung.
Generell fällt bei der Beispielauswahl eine starke "Rheinschienenlastigkeit" auf. Abgesehen vom Gebiet der ehemaligen DDR werden selten Beispiele aus östlichen und südlichen Bereichen der BRD herangezogen. Jüngere landeskundliche Arbeiten, zum Beispiel zu Bayern oder Teilbereichen davon, werden nicht eingearbeitet. So werden Ergebnisse über geologisch-tektonische, geomorphologische, kulturlandschaftliche wie wirtschaftliche und gesellschaftliche Verhältnisse in Bayern wenig differenziert dargestellt, was dazu führt, dass die Oberpfalz als "Ruhrgebiet des Mittelalters", das Oberpfälzer Bruchschollenland als geomorphologisches Gegenstück zum Oberrheingraben im Zusammenhang mit dem Süddeutschen Schichtstufenland, die bayerischen Petrochemiestandorte und anderes nicht angesprochen werden. Dennoch darf "Geographie Deutschlands" insgesamt als gelungene, interessante und weitgehend spannend zu lesende Darstellung bezeichnet und empfohlen werden.

Erschienen am 19.08.2008

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