(Große Kunstführer 234), Regensburg 2008, Schnell & Steiner, 64 Seiten, zahlr. Abbildungen
Rezensiert von Dieter J. Weiß (Bayreuth) PDF-Datei
Im Dezember 2006 konnte die Bayerische Staatsregierung auf einer Londoner Auktion das Gemälde "Steinigung des hl. Stephanus" von Giovanni Domenico Tiepolo erwerben, um es in der Würzburger Residenz auszustellen. Da dieses Altarblatt für die Abteikirche Münsterschwarzach geschaffen worden war, nimmt Erich Schneider dies zum Anlaß, die Ausstattung der als Säkularisationsfolge untergegangenen Balthasar Neumann-Basilika zu rekonstruieren. Ausgehend von den Säkularisationsakten verfolgt er das Schicksal der Gemälde der Abteikirche, von denen nur eine Auswahl in die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen überführt wurde. Manche gelangten auf nicht immer nachvollziehbaren Wegen in andere Kirchen und Sammlungen, viele - darunter lange die Stephanus-Steinigung - müssen als verschollen gelten. Schneider, als Verfasser der grundlegenden Monographie der beste Kenner der barocken Abteikirche, stellt ihr Freskenprogramm von Johann Evangelist Holzer vor. Nur ein Abglanz ist in Bozetti, Stichen und Beschreibungen erhalten. Gestützt auf Archivforschungen und kunsthistorische Analysen dokumentiert er die Altargemälde der barocken Ausstattung, behandelt die Künstler und stellt Vergleichsstücke vor. Das Hochaltarblatt, die Glorie der hl. Felizitatis, begonnen von Holzer, vollendet von Johann Georg Bergmüller, ist verloren. Zuletzt geht Schneider den verschlungenen Pfaden der Stephanus-Steinigung bis 2006 nach. Johannes Mahr stellt in seinem einleitenden Beitrag die Basilika Balthasar Neumanns und ihre Vorgängerbauten im Rahmen der Klostergeschichte vor. Wie in dieser Reihe üblich, ist der Band mit sehr guten, meist farbigen Abbildungen ausgestattet. Der 75. Abt von Münsterschwarzach, Michael Reepen, betont in seinem Nachwort die Kontinuität der Klostergemeinschaft gerade auch in der Heiligenverehrung über die Säkularisation hinweg. Es stimmt versöhnlich, daß über 200 Jahre nach der Säkularisation ein wertvolles Kunstwerk aus Klosterbesitz nach Unterfranken zurückkehrt. In Münsterschwarzach selbst wird als Geschenk der Staatsregierung aus konservatorischen Gründen nur eine Kopie zu sehen sein, die ihren Platz im Vestibül der Abtei neben der Kopie der Anbetung der Könige von Giovanni Battista Tiepolo finden wird.
Erschienen am 13.03.2008
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