Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Dietmar Grypa / Barbara Höglmeier / Barbara Zeitelhack (Hg.)

Umbrüche. Leben in Neuburg und Umgebung 1918 bis 1948. Ausstellung des Stadtmuseums Neuburg an der Donau vom 28. März bis 5. Oktober 2008

Neuburg an der Donau 2008, Stadt Neuburg an der Donau, 516 Seiten, zahlr. Abbildungen

Rezensiert von Tobias Schönauer (München)      PDF-Datei


Das Stadtmuseum Neuburg nahm das Jahr 2008 zum Anlass, um mit der Ausstellung "Umbrüche" gleich an drei Jahrestage zu erinnern: das Ende des Ersten Weltkrieges und die Ausrufung des Freistaates Bayern vor 90 Jahren, die "Machtergreifung" der Nationalsozialisten vor 75 Jahren und die Währungsreform vor 60 Jahren. Die Ausstellung selbst war zweigeteilt und fand nicht nur in den Räumen des Stadtmuseums, sondern auch im Schlossmuseum statt.
Inhaltlich thematisiert der Katalog neben den politischen Entwicklungen vor allem auch den Alltag in Neuburg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Band ist in drei Teile gegliedert. Der erste Abschnitt, der in etwa zwei Drittel des Umfangs einnimmt, ist 14 Aufsätzen vorbehalten. Sie greifen (teilweise mit Abbildungen versehen) die folgenden Themen auf: Städtebau, Stadtentwicklung, Stromversorgung, Neuburg als Militärstandort, Vereins- und Parteileben, die Neuburger Arbeiterbewegung, die Frühzeit der NSDAP, die Verfolgung der Zeugen Jehovas in der Zeit des Nationalsozialismus, Zwangsarbeit, Schulen in der Nazizeit, amerikanische Militärregierung, Entnazifizierung, die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen, das politische Klima der Nachkriegsjahre und die Geschichte der Neuburger Presse.
Die Herausgeber haben für den gesamten Katalog auch viele Studenten, besonders der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, gewonnen, die verschiedene Aspekte der Stadtgeschichte der Zeit zwischen 1918 und 1948 bearbeitet haben. Die klar gegliederten und gut recherchierten Artikel erlauben einen umfassenden Einblick in eine Vielzahl von Aspekten der Geschichte Neuburgs der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hierbei werden die zeitlichen Grenzen keineswegs eng gefasst, denn viele Beiträge greifen noch weit in das 19. Jahrhundert zurück und blicken deutlich über das Jahr 1948 hinaus, um Kontinuitäten und Brüche der geschichtlichen Entwicklung besser aufzeigen zu können. Der umfangreiche Anmerkungsapparat belegt, dass viele der Artikel Bereiche aufnehmen, die für Neuburg noch kaum oder gar nicht erforscht wurden - als Beispiele seien hier der Zwangsarbeitereinsatz (Barbara Zeitelhack) oder die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen (Daniel Schönwald) genannt. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Neuburg - die Mitherausgeberin Barbara Zeitelhack leitet das Archiv - schlägt sich hier außerordentlich positiv nieder.
Der zweite Abschnitt des Kataloges ist den Ausstellungsobjekten vorbehalten und gliedert sich in zwei Unterbereiche: Ausstellung im Schlossmuseum und Ausstellung im Stadtmuseum Neuburg. Dieser komplett farbig gehaltene Teil widmet sich dem abwechslungsreichen und umfangreichen Objektbestand der zweigeteilten Ausstellung.
Der stark untergliederte Katalogteil schließt unmittelbar an die Aufsätze an und greift Themen wie "Revolution und Räterepublik", "Die Zwanziger Jahre", "Der II. Weltkrieg" und "Bayerische Volkspartei - BVP" ebenso auf wie speziellere Gebiete, etwa "Persönliche Hygiene", "Euthanasie zur Zeit der Nationalsozialisten" oder wichtige Personen der Neuburger Geschichte.
Den hier zu findenden kurzen Einleitungstexten von wenigen Zeilen folgen verschiedenste Objekte (Bilder, Fotos, Dokumente, Gegenstände), die mit je einem Satz beschrieben werden. Die Abbildungen sind durchweg qualitativ sehr hochwertig. Zwar wurden Leihgeber, Jahreszahlen, Material und ggf. Inventarnummern angegeben, aber es fehlen Abmessungen, die für spätere Ausstellungen von Interesse wären. Die starke Untergliederung ist bei der Vielzahl der Objekte sehr erfreulich, eine Orientierung wird durch das Layout des Kataloges (Leiste am Seitenende mit dem jeweiligen Abschnittstitel, farbliche Absetzung des Katalogteiles) erleichtert. Der Band bietet dem Leser einen umfassend bebilderten Einblick in die Geschichte Neuburgs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der sowohl die politischen als auch die gesellschaftlichen und sozialen Aspekte der Stadtgeschichte aufgreift.

Erschienen am 09.12.2008

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