Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Hannes Obermair (Bearb.)

Bozen Süd - Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500 - Scritturalita e documentazione archivistica della citta di Bolzano fino al 1500. Bd. 2: Regesten der kommunalen Bestände 1401-1500 - Volume 2: Regesti dei fondi comunali 1401-1500

Bozen 2008, Stadt Bozen/Citta di Bolzano, 528 Seiten, 34 Abbildungen

Rezensiert von Gabriele Schlütter-Schindler (Frankfurt/M.)      PDF-Datei


Schon drei Jahre nach der Veröffentlichung des fulminanten ersten Bandes, der die Zeit von 1210 bis 1400 umfaßt (vgl. ZBLG 69, 2006, S. 786f.), liegt bereits der zweite Band vor. Er entspricht in Präsentation und Systematik ganz seinem Vorgänger.
Über die genutzten Archivalien und Überlieferungsgruppen wurde im ersten Band bereits ausführlich berichtet. Das 1472 angelegte Bozner Stadtbuch und die zeitgleich einsetzenden "seriellen Quellensorten" (S. 12) wie Ratsprotokolle und Amtsrechnungen zeigen, auf welche Weise die von Erzherzog Sigmund von Österreich-Tirol geförderte Stadt versuchte, auf die mit ihrer wachsenden wirtschaftlichen und politischen Bedeutung einhergehenden verwaltungstechnischen Anforderungen zu reagieren und ihre Schriftlichkeit zu steigern.
Wichtige Eckpfeiler für die Weiterentwicklung der städtischen Verhältnisse waren das Bozner Stadtrecht von 1437 (Nr. 996) und das Stadtratsprivileg König Friedrichs III. von 1442 (Nr. 1016), das der Bearbeiter als "regelrechte kommunale Magna Carta" bezeichnet (S. 12). Beide Dokumente sind leider nur mehr abschriftlich erhalten. Darüber hinaus von besonderem Interesse sind Dokumente wie die Gerichts- und Marktordnung aus der Zeit um 1450 (Nr. 1030 und 1031), die Nachricht vom Stadtbrand 1483 (Nr. 1207-1209), das Häuserverzeichnis der Altstadt von 1497 (Nr. 1317) oder die sog. "Bozner Artikel", auf welche die Land- und Stadtrichter von Gries-Bozen vereidigt wurden (um 1500, Nr. 1346).
Den in 464 Nummern chronologisch angeordneten Regesten von 1401 bis 1500 sind die Literaturergänzungen (S. 21-24) und das Überlieferungsverzeichnis (S. 25-36) vorangestellt, ihnen nachgestellt die Corrigenda et Addenda zu Bd. 1 (S. 248-250). Über die Hälfte des zweiten Bandes beanspruchen die mit großer Sorgfalt erstellten Register und Verzeichnisse, die auch den ersten Band erschließen. Die Reihe der Verzeichnisse beginnt mit dem Nachweis der Quellen (S. 252-255), es folgen die Ausstellungsorte (S. 256-258), die Urkundenbetreffe (S. 259-262), die Urkundenanfänge und Kanzleivermerke (S. 263-265), die Notare (S. 266-275), die Siegler (S. 276-282). Das nach dem phonetischen Alphabet aufgebaute Personen- und Ortsverzeichnis umfaßt die Seiten 283 bis 444 und wird eröffnet mit dem Stichwort Bozen. Letztes Verzeichnis ist der Sachindex (S. 445-491). Zum rascheren Auffinden der gesuchten Begriffe regt sich gelegentlich der Wunsch nach der Aufnahme des jeweiligen Registertitels in die Kopfzeile. Keine Wünsche offen hingegen läßt der Abbildungsteil, der ebenso eindrucksvoll und schön ist wie im ersten Band.
Die Privilegien und Bestimmungen der Landesherren, die Verhandlungen der Landrichter, die Bemühungen der Bürger - in Einigkeit oder Streit -, die anliegenden Probleme ihres Gemeinwesens zu regeln sowie ihre eigenen Rechtsgeschäfte für das Leben und für den Tod abzuwickeln, alle Belange, die ein pulsierendes Stadtwesen ausmachen, liegen ausgebreitet und bestens aufbereitet vor den Augen von Fachleuten wie interessierten Laien. Die beiden Quellenbände sprechen eine Einladung aus, die unbedingt angenommen werden sollte, um unser Wissen über mittelalterlich-frühneuzeitliche Lebenswelten zu erweitern und zu vertiefen.

Erschienen am 15.12.2008

[KBL-Startseite] [ZBLG-ONLINE] [Impressum]