Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Mark Häberlein / Kerstin Kech / Johannes Staudenmaier (Hg.)

Bamberg in der Frühen Neuzeit. Neue Beiträge zur Geschichte von Stadt und Hochstift

(Bamberger Historische Studien 1 = Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bamberg 11), Bamberg 2008, University of Bamberg Press, 415 Seiten

Rezensiert von Dieter J. Weiß (Bayreuth)      PDF-Datei


Während sich die Forschung zum Hochstift Bamberg im Bereich der Frühen Neuzeit bisher schwerpunktmäßig mit Reformation und Bauernkrieg, Gegenreformation und katholischer Reform sowie Aufklärung und Säkularisation auseinandergesetzt hat, kreisen die Beiträge dieses Bandes um unterschiedliche Aspekte der Verwaltungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte. Besonders im Hinblick auf die Bamberger Stadtgeschichte, aber auch für aktuelle geschichtswissenschaftliche Diskussionen helfen sie damit, vorhandene Forschungslücken zu schließen. Der Sammelband ist aus dem Forschungskolloquium von Mark Häberlein erwachsen.
Zwei umfassende Forschungsüberblicke über Hochstift und Stadt Bamberg, von 1500 bis 1648 und von 1648 bis zur Säkularisation (Johannes Staudenmaier, Kerstin Kech), stehen am Beginn. Vielleicht hätte man noch stärker zwischen Diözese, Hochstift und Stadt trennen können, moderne Ansprüche an die Forschung werden etwas überbetont. Johannes Staudenmaier untersucht die Bamberger Hafnerordnung von 1582 vor dem Hintergrund der aktuellen Forschungen zur "Guten Policey", wobei er die Zusammenarbeit zwischen Obrigkeit und Zunft betont. Eine ebenfalls aus Archivforschungen hervorgegangene Untersuchung der bürgerlichen politischen Führungsgruppe in Bamberg von 1500 bis 1627 legt Marco Eckerlein vor. Dabei stellt er den bürgerlichen Rat als wichtigste Institution der Stadtverfassung vor. Heinrich Lang setzt sich umfassend mit der Persönlichkeit von Johann Ignaz Tobias Böttinger auseinander, der durch zwei von ihm errichtete Palais noch heute im Bamberger Stadtbild präsent ist. Er würdigt ihn als Prototyp eines qualifizierten Beamten der Zentralverwaltung eines Hochstifts, während er für die populäre These seiner angeblichen Tätigkeit als Heereslieferant keine Beweise sehen kann. Erik Omlor liefert einen Abriß über die Fragestellungen einer "neuen Militärgeschichte" und stellt die Ereignisgeschichte des Siebenjährigen Krieges für das Hochstift Bamberg dar. Vor diesem Hintergrund erarbeitet er die Kriegserfahrungen der Untertanen und stellt sie als aktiven Part des Kriegsgeschehens vor. So kann er die Defizite des frühmodernen Staates im Hinblick auf die mangelnde Durchsetzung seines Gewaltmonopols verdeutlichen.
Der Herausgeber Mark Häberlein untersucht die Handelspraktiken, die Kreditbeziehungen und das endliche Scheitern des "welschen" Kaufmanns Bartolomeo d'Angelis in Bamberg in den Jahren 1764 bis 1770. Auch Gerald Vogt wendet sich einem bisher in der Forschung weitgehend vernachlässigten Gebiet zu. Er untersucht die durch russische und französische Kolonistenwerbung ausgelöste Migration aus dem Hochstift Bamberg nach Catharinenlehen in Rußland wie nach Cajenni in Französisch Guyana, die allerdings jeweils von sehr geringem Umfang war. Zeno Hippke erarbeitet in sorgfältiger Auswertung der Unterlagen zur Steuerrevision von 1767 eine hervorragende Darstellung der Sozialstruktur der Stadt Bamberg. In mehreren Tabellen und Graphiken veranschaulicht er seine Ergebnisse. Durch die Verknüpfung von Vermögensstrukturen, Berufsgruppen und Sozialtopographie entsteht so ein differenziertes Bild. Britta Schneider behandelt den Getreidemangel und die daraus resultierende Teuerung der Jahre 1770 bis 1772 im Hochstift Bamberg. Dabei untersucht sie besonders die Maßnahmen der Obrigkeit, die Krise zu bekämpfen, wobei langfristige Strategien offenbar fehlten.
Ein Lebensbild von Johann Georg Endres, der bislang vor allem als Künstler gewürdigt worden war, entwirft Kerstin Kech. Sie rückt seine Tätigkeit als Kanzlist in den Mittelpunkt und liefert so einen Beitrag zur Geheimen Kanzlei, wertet aber auch sein "Diarium" mit kunsthistorisch interessanten Beschreibungen aus. Christoph Mann stellt kenntnisreich Lebensstile, Parteiungen und Reformfähigkeit im Bamberger Domkapitel des 18. Jahrhunderts vor. Zur Aufnahme in das Domkapitel genügte die Subdiakonatsweihe, weil bereits diese zum Zölibat verpflichtet (für die erste Dignität im Kapitel sollte man die Schreibweise Propst - abgeleitet von praepositus - verwenden). Mit Recht betont er die Heterogenität innerhalb des Kapitels. Lina Hörl widmet sich mit dem Gesellenkrankeninstitut in Bamberg von 1789 bis 1803 einer weitgehend unbekannten Sozialeinrichtung. Die versicherten Gesellen wurden im Allgemeinen Krankenhaus kostenlos behandelt. Christian Kuhn schließlich stellt Schmähschriften aus dem Hochstift vor und wertet sie als Beitrag zu einer geheimen Öffentlichkeit an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert aus.
Alle Beiträge sind quellenfundiert und ziehen besonders die Bestände des Staats- wie des Stadtarchivs Bamberg heran. Die Autoren argumentieren auf hohem Reflexionsniveau und ordnen ihre Erkenntnisse in die aktuellen Forschungsdebatten ein. Getrennte Orts- und Personenregister erschließen das reichhaltige Material. Provinziell an dem gelungenen Band ist nur der Verlagstitel: University of Bamberg Press.

Erschienen am 07.11.2008

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