(Ludovico Maximilianea, Quellen 4), Berlin 2009, Duncker & Humblot, 626 Seiten
Rezensiert von Claudius Stein (München) PDF-Datei
Der Sprachforscher Johann Andreas Schmeller gehört mit zu den am besten dokumentierten Persönlichkeiten bayerischen Geisteslebens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Inzwischen liegen ediert vor Schmellers Tagebücher (3 Bde.), sein Briefwechsel (3 Bde.), die Quellen über sein Verhältnis zur Bayerischen Akademie der Wissenschaften und seit neuestem auch über seine Beziehung zur Ludwig-Maximilians-Universität. Die beiden letztgenannten, umfänglichen Veröffentlichungen stammen von Richard J. Brunner, der sich damit als besonders intimer Kenner der Person und des Werkes von Johann Andreas Schmeller ein Denkmal gesetzt hat.
Mit der Translokation der Universität von Landshut nach München 1826 wurde Schmeller zum Privatdozenten bzw. dann in kurzen Abständen zum Honorarprofessor und zum Außerordentlichen Professor für altdeutsche und altgermanische Sprache und Literatur ernannt. Bei dieser Professur handelte es sich um die erste ihrer Art an der Ludovico-Maximilianea. Bereits 1829 verlor Schmeller seine Professur als inkompatibel mit seiner neuen Stellung als Kustos der Hof- und Staatsbibliothek wieder - eine wie es zunächst schien irreparable Verstimmung im Verhältnis zwischen der Universität und Schmeller, zu deren Behebung die erneute Honorarprofessur ohne Gehalt sicher nicht beizutragen vermochte. Erst 1846 erhielt Schmeller, wenn auch ohne Veränderung seines bisherigen Dienstverhältnisses, einen Ruf als Ordentlicher Professor für altdeutsche Sprache und Literatur.
In diesen Rahmen sind die von Brunner edierten Dokumente eingebettet. Sie decken nicht nur die amtliche Sphäre ab, die sich etwa in der Personalakte oder in den Sachakten auf Fakultäts- sowie Senatsebene niedergeschlagen hat, sondern berücksichtigen auch die gelehrten Inhalte von Schmellers universitärer Wirksamkeit, weshalb Brunners Edition sowohl für die Geschichtswissenschaft als auch für die Germanistik von Belang ist. Zwar nicht nach der Zahl der eingeräumten Seiten, wohl aber nach dem Gehalt stehen die Einleitung (S. 1-165) wie die abschließende Würdigung (S. 531-573) gleichrangig neben dem Dokumententeil (S. 167-530). Eine tiefere Erschließung erfährt das Buch durch die prosopographischen Anhänge (Biogramme und Übersicht zu Schmellers Hörern), die willkommene Einblicke vor allem, aber nicht nur in Schmellers universitäres Umfeld gewähren.
Erschienen am 04.05.2009
| [KBL-Startseite] | [ZBLG-ONLINE] | [Impressum] |