Regensburg 2010, Schnell & Steiner, 354 Seiten, 255 Abbildungen
Rezensiert von Christina Grimminger (Eichstätt) PDF-Datei
Obwohl die Trinität zu den zentralsten Themen der christlichen Kunst gehört und im Barock als der Hochzeit der Dreifaltigkeitsverehrung prachtvolle Bau- und Ausstattungsprogramme entstanden sind, bildete eine Arbeit über barocke Dreifaltigkeitskirchen ein Desiderat der Forschung. Diese Lücke schließt nun die vorliegende Freiburger Dissertation des Jahres 2007.
In einem ersten Teil führt die Autorin in die Theologie der Dreifaltigkeit ein und gibt einen historischen Überblick über die Formen der Trinitätsverehrung. Danach folgt - quasi das Herzstück der Arbeit - die Vorstellung und Deutung der Ausstattungsprogramme mehrerer barocker Sakralbauten, wobei alle Gattungen herangezogen werden, also Deckenmalereien, Altäre und Skulpturen. Unter allen Kirchen in Bayern und Österreich, die der Dreifaltigkeit gewidmet sind, traf die Autorin mit fünf Beispielen eine aussagekräftige Auswahl und kann damit etwas mehr als sieben Jahrzehnte, genau die Zeit zwischen 1697 und 1769, dokumentieren. Der kunsthistorisch wie frömmigkeitsgeschichtlich herausragenden Stellung jedes einzelnen Beispiels entsprechen die Einzelanalysen, deren Bildprogramme die Autorin in Überschriften charakterisiert. Diese sind 1. Die Priesterseminarkirche in Salzburg - ein Heiligenhimmel als Dreifaltigkeitsprogramm; 2. Die Votiv- und Klosterkirche der Karmelitinnen in München - ein emblematisches Bildprogramm; 3. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche in Stadl Paura - ein trinitarisches Bildprogramm; 4. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Sonntagberg - ein ekklesiologisches Dreifaltigkeitsprogramm in einer Wallfahrtskirche und 5. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Gößweinstein - zwei Konzepte (Erkenntnis und Verehrung der Dreifaltigkeit) für das Bildprogramm.
Dieser Hauptteil vermittelt dem Leser eine sehr gute Vorstellung von der Komplexität der Trinitätslehre und der Vielfalt der Darstellungsmöglichkeiten der Dreieinigkeit in unterschiedlichen Kontexten. Dabei erläutert die Autorin nicht nur die Bauten und Ausstattungsdetails, sondern sie berücksichtigt auch Entstehungsgeschichte, Auftraggeber, Stifter und ähnliches und hinterfragt diese Aspekte hinsichtlich ihrer Auswirkung auf die Bildprogrammatik. Erwähnenswert ist zudem, dass in den ikonographischen Deutungen und Herleitungen zeitgenössische Quellen wie Bibelkommentare, Predigten oder Emblembücher angeführt werden.
Insgesamt gefällt die Arbeit auch durch die klare Wiedergabe der Forschungslage und der in einem dritten Teil zusammengefassten Ergebnisse. Unter "Form und Inhalt barocker Dreifaltigkeitsprogramme" geht die Autorin unter anderem der Frage nach, ob auch architektonische Details das Wesen der Trinität versinnbildlichen können, und sie versucht die Ausstattungsprogramme in je zwei Modelle zu gliedern: Diese sind zum einen die "Personale Dreiheit in der Einheit" - Teilung des Programms in drei Teile - und die "Ubiquität" - hier ist die Trinität in allen Teilen des Programms allgegenwärtig - und zum anderen "beschreibend-erläuternde" und "verherrlichende" Bildprogramme. Abschließend präsentiert die Autorin ihre ikonologischen Überlegungen und kommt etwa zu der Feststellung, dass die Dreifaltigkeitsthematik als besonders wirksam gegen Epidemien beziehungsweise gegen bedrohende Nichtchristen angesehen wurde.
Ein Resümee und ein Dokumentationsteil der fünf Beispiele zeichnen diese wichtige Forschungsarbeit weiter aus. Man vermisst lediglich die Auseinandersetzung mit aktuellen Forschungen auf dem Gebiet der barocken Ikonologie sowie einen Katalog aller Dreifaltigkeitskirchen im Untersuchungsgebiet und neben dem ikonographischen Register ein Ortsregister.
Erschienen am 11.02.2011
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