Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Maria Magdalena Zunker

Geschichte der Benediktinerinnenabtei St. Walburg in Eichstätt von 1035 bis heute

Lindenberg 2009, Fink, 152 Seiten, zahlr. Abbildungen

Rezensiert von Ernst Schütz (Metten)      PDF-Datei


Eine faktengesättigte, klar strukturierte und zugleich kurze Darstellung zur Geschichte des Benediktinerinnenklosters St. Walburg in Eichstätt - wer wünscht sich das nicht? Zwar weist wohl kaum ein anderes Frauenkloster des Benediktinerordens in Bayern eine derart gute Forschungslage zu allen nur erdenklichen Epochen auf, doch eine gut lesbare Gesamtdarstellung seiner Geschichte vom 11. Jahrhundert bis in die Gegenwart fehlte bisher.
Gerade deshalb wird der Leser beim ersten Aufschlagen des vorliegenden Opusculum zuerst einmal verdutzt innehalten: Sowohl eine Einleitung als auch eine Zusammenfassung oder ein Schlusswort fehlen. Der Stil der Arbeit ist ausschließlich deskriptiv, ihr inhaltlicher Aufbau bis Seite 82 strikt chronologisch. Der - wohlweislich gute - Grund hierfür liegt nun darin, dass es sich bei vorliegendem Büchlein eben um gar keine Monographie im eigentlichen Sinne handelt, sondern um einen separaten, reich bebilderten Sonderabdruck des Beitrags über die Abtei St. Walburg in der Neuauflage des Bayernbandes der "Germania Benedictina" (Teilband Franken), welcher hiermit dem Leser vorab präsentiert wird (siehe Geleitwort, S. 4). Nicht die bloße Ungeduld der Autorin, sondern vielmehr der 1300. Geburtstag der hl. Walburga im Februar 2010 hat den Anlass für diese Publikation geliefert.
Der Leser erfährt hierin in komprimierter und doch detaillierter Form die wichtigsten Daten und Fakten über die hl. Walburga und die Ursprünge ihrer Verehrung in Monheim und Eichstätt, die Klostergründung und die ersten Jahrhunderte; er liest über die mittelalterliche Reform des Klosters, sein Schicksal während der Reformation und der Konfessionskriege, begegnet in Zeitzeugenberichten den Bedrängnissen durch den Dreißigjährigen Krieg sowie der barocken Verehrung der Kloster- und Diözesanpatronin. Die Besitzergreifung durch Bayern, unterbrochen durch die kurze toskanische Herrschaft, brachte dem Kloster in zwei Schritten die offizielle Aufhebung; fast rührselig mutet dabei die in Quellentexten beschriebene Nibelungentreue der Schwestern ihrem Konvent gegenüber an (S. 67), der schließlich unter strengen Auflagen geduldet wurde und tatsächlich bis zur Wiedererrichtung unter König Ludwig I. ausharren konnte. Die darauf folgende Übernahme der städtischen Mädchenschule durch die Nonnen, die ersten Schritte in die Neue Welt unter der ungeliebten Führung des legendären Abtes Bonifaz Wimmer ab 1852, sowie auch die als Refugium vor den Nationalsozialisten in Angriff genommenen Neugründungen des 20. Jahrhunderts in Nordamerika und England werden anschaulich abgehandelt. Ein kurzer Blick auf die Gegenwart (S. 82f.) rundet den chronologischen Abriss ab. Auf den verbleibenden 50 Seiten behandelt die Autorin in einem diachronen Überblick die Wirtschafts-, Rechts- und Sozialgeschichte der Abtei, betrachtet ihre pfarrlichen Aufgaben in Geschichte und Gegenwart, geht auf die Bau- und Kunstgeschichte vornehmlich der Pfarr- und Klosterkirche ein und beschreibt zuletzt Medaillen und Siegel, Wappen, Archiv und Bibliothek von St. Walburg.
Die Autorin, selbst Konventualin und Archivarin dieser Abtei, beweist dabei stets eine profunde Kenntnis sowohl der Quellen als auch der Literatur. Ausgiebig zitiert sie in insgesamt 696 Fußnoten neben allen einschlägigen Archivsignaturen des Staatsarchivs Nürnberg, des Diözesanarchivs Eichstätt sowie des Bayerischen Hauptstaatsarchivs auch die einschlägigen Quelleneditionen und stützt sich nicht zuletzt auch auf die umfangreichen Archivalien ihres eigenen Hauses, welche bis in das Gründungsjahr 1035 zurückreichen. Das Bändchen besticht letztlich auch durch eine Reihe anderer Vorzüge: Unter den durchgehend in Farbe gehaltenen Abbildungen etwa stechen diejenigen Ansichten des Klosters (innen wie außen) hervor, die zum heutigen Klausurbereich gehören und somit der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Die Texte lesen sich außerdem flüssig, sind unterlegt mit zahlreichen Zitaten aus den benützten Dokumenten und kommen verlässlich auf den Punkt. Für die trotz aller Ausgewogenheit sublim feststellbare positive Voreingenommenheit der Verfasserin ihrer Heimatabtei gegenüber darf man ihr nicht weiter gram sein; ihr Werk - gleich ob als Separatabdruck oder künftig auch als Teil der "Germania Benedictina" - wird auf längere Sicht der erste Griff eines jeden an der Geschichte St. Walburgs interessierten Lesers bleiben.

Erschienen am 14.11.2011

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