Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Tobias Appl / Georg Köglmeier (Hg.)

Regensburg, Bayern und das Reich. Festschrift für Peter Schmid zum 65. Geburtstag

Regensburg 2010, Schnell & Steiner, 712 Seiten

Rezensiert von Enno Bünz (Leipzig)      PDF-Datei


Die stattliche Festschrift ehrt mit Peter Schmid einen Historiker, der sich um die bayerische Landesgeschichte und die Reichsgeschichte an der Wende vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit gleichermaßen verdient gemacht hat. Sein Buch über den "Gemeinen Pfennig von 1495" (Göttingen 1986) ist ein Standardwerk. Schmid ist aber bereits seit seiner Dissertation über "Regensburg. Stadt der Könige und Herzöge im Mittelalter" (Kallmünz 1977) und vollends durch seine Berufung auf den Lehrstuhl für bayerische Landesgeschichte an der Universität Regensburg (1995) der Geschichte Altbayerns und Regensburgs als Forscher und akademischer Lehrer ganz besonders verbunden. Davon legt die vorliegende Festschrift mit ihren 29 Aufsätzen von Kollegen, Freunden und Schülern des Jubilars eindrucksvoll Zeugnis ab. Das zeitliche Spektrum der Beiträge, die hier nicht im einzelnen behandelt werden können, reicht zwar von der Ur- und Frühgeschichte bis ins 20. Jahrhundert, gilt mehrheitlich aber den von Peter Schmid favorisierten Epochen des Spätmittelalters und des 16. Jahrhunderts. Die meisten Aufsätze sind dabei quellenorientiert und bringen neue Erkenntnisse.
In regionaler Hinsicht steht die Stadt Regensburg dabei im Mittelpunkt: Themen sind mittelalterliche und neuzeitliche Fernwege von Regensburg nach Franken (D. J. Manske), archäologische Funde aus der Donau bei Regensburg (U. Scholz), die Familie "in Porta" bis zum 14. Jahrhundert (J. Friedl), die Stellung von Stadtamhof zwischen Bayern und dem Reich (A. Dirmeier), ein Schulden- und Abgabenverzeichnis aus der spätmittelalterlichen Abtei St. Emmeram (F. Fuchs; R. Scharf), die Schottenmönche im spätmittelalterlichen Regensburg (H. Flachenecker), Johannes Aventin und Regensburg (H. Wanderwitz), Regensburg als Schnittstelle von Reichs- und Landesgeschichte (W. Wüst), Johann Baptist Bernharts Regensburger Bibliotheksreise 1811/12 (B. Lübbers) sowie der Tod des österreichisch-ungarischen Diplomaten Paul von Esterhazy im Regensburger Exil 1866 (T. Barth).
Themen der Regensburger Bistumsgeschichte gelten Beiträge über eine Urkunde des päpstlichen Legaten Francesco Todeschini-Piccolomini für das Augustinerchorherrenstift Rohr von 1471 (T. Feuerer), ein Zinsregister des Dominikanerinnenklosters Pettendorf von 1544 (A. Schmid), den Aufstieg Philipps von Bayern (1576-1598) zum Regensburger Bischof und Kardinal (T. Appl), die Missionstätigkeit von Jesuiten und Kapuzinern im Bayerischen Wald 1642 (W. Hartinger), die 300jährige Wallfahrtskirche Obergraßlfing (P. Mai), das kirchliche Asylrecht im 18. Jahrhundert (J. Gruber), den Rombericht des letzten Regensburger Fürstbischofs Joseph Konrad von Schroffenberg von 1793 (K. Hausberger), den Regensburger Minoriten und Bibliophilen Tobias Waldemannstaetter (A. Hilz) und die Abbacher Bäckerordnung von 1779 (G. Köglmeier).
Einige allgemeiner ausgerichtete Beiträge handeln über keltische Ortsnamen in Bayern (A. Greule), Probleme der Energieversorgung in römischer Zeit (P. Herz), Jakob von Vitry und die neuen Formen der städtischen Religiösität in Oberitalien (J. Oberste), die Annahme des Kaisertitels durch Maximilian I. im Jahr 1508 (D. Heil), Nürnberger Gesandte auf Reichstagen des 15. und 16. Jahrhunderts (R. Seyboth), die Verhandlungsführung Granvelles auf dem Wormser Kolloquium 1540/41 (A. P. Luttenberger), das Vorhaben einer allgemeinen Reichssteuer auf dem Reichstag zu Regensburg 1576 (M. Lanzinner), den Landesparlamentarismus im deutschen Geschichtsbewusstsein (D. Götschmann) und die revolutionären bayerischen Bauernräte 1918/19 (J. Kirchinger). Schließlich wird die mittlerweile sehr verbreitete Erinnerungspraxis der "Stolpersteine" am Beispiel einer jüdischen Familie aus Straubing verdeutlicht (D.-M. Krenn).
Die Festschrift wird von einem Verzeichnis der Schriften des Jubilars (bearb. von T. Grieb) abgeschlossen. Eine Zusammenstellung der von Peter Schmid betreuten Dissertationen und anderen Qualifikationsschriften fehlt hingegen. Auf ein Register haben die Herausgeber ebenfalls verzichtet.

Erschienen am 24.05.2012

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