Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Manfred H. Grieb (Bearb.)

Die Henker von Nürnberg und ihre Opfer. Folter und Hinrichtungen in den Nürnberger Ratsverlässen 1501 bis 1806

(Quellen und Forschungen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg 35), Nürnberg 2010, Stadtarchiv, 476 Seiten, 80 Abbildungen

Rezensiert von Markus Frankl (Würzburg)      PDF-Datei


Im Staatsarchiv Nürnberg sind kurz gefasste Beschlussprotokolle der Sitzungen des Nürnberger Kleineren bzw. Inneren Rates erhalten, die als Ratsverlässe bezeichnet werden. Fragmentarisch sind diese seit 1443, vereinzelt seit 1449 und von 1473 bis 1808 lückenlos in 4456 Einzelheften überliefert. Der historische Wert der Ratsverlässe für die Kriminalgeschichte Nürnbergs liegt darin begründet, dass diese "eine vollständige Quelle zu allen Todesurteilen sowie zu allen denjenigen weiteren Kriminalfällen" bieten, "die von den Schöffen vor den Rat gebracht wurden oder die er aus anderen Gründen an sich gezogen hat" (S. VIII).
Der anzuzeigende Band enthält zunächst eine bündige Einführung zu den Quellen zur Nürnberger Kriminalgeschichte von Horst-Dieter Beyerstedt mit knappen Beschreibungen der Ratsverlässe, der sogenannten "Hinrichtungsprotokolle" sowie deren Quellen und eine Übersicht über die weitere Überlieferung zur Nürnberger Hoch- und Niedergerichtsbarkeit, wie beispielsweise die Verhörprotokolle, die sogenannten "Haderbücher" oder die erhaltenen Scharfrichtertagebücher. Darauf folgt ein vom früheren Nürnberger Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer verfasster Überblick über die Geschichte des Strafrechts der Reichsstadt vom Ende des 13. Jahrhunderts bis zum Jahr 1806, durch den die Einordnung der vielen im Editionsteil dargelegten Einzelfälle in größere rechtshistorische Zusammenhänge erleichtert wird. Den überaus ertragreichen Hauptteil des Bandes machen die Ratsverlässe zu den Delinquenten und Nachrichtern (Henkern) vom 9. Januar 1501 bis zum 30. April 1806 aus. Dieser ist mit 60 Abbildungen aus zwei Chroniken des frühen 17. Jahrhunderts aus den Beständen des Stadtarchivs Nürnberg versehen, wobei explizit "auf die Unzuverlässigkeit der Darstellungen" verwiesen wird (S. XI), da diese oftmals zu sehr von der Phantasie der Künstler beeinflusst zu sein scheinen. Einen weiteren wichtigen Baustein zur reichsstädtischen Kriminalgeschichte liefern die ebenfalls chronologisch erfassten und mit 20, teilweise aus den erwähnten Chroniken stammenden, Bildern aufbereiteten sogenannten "Hinrichtungsprotokolle", welche auf der Grundlage von Ratsverlässen, Malefizurteilsbüchern sowie Malefizbüchern regestenartig zusammengestellt wurden. Eine tabellarische Übersicht der Nachrichter und Löwen (Henker und Henkersgehilfen) sowie Kurzbiographien der Nürnberger Nachrichter (Henker) von 1501 bis 1806 runden die Publikation inhaltlich ab.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass Manfred H. Grieb, der sich bei der Bearbeitung des vorliegenden Werkes auf den umfangreichen Nachlass und die Vorarbeiten des im Jahr 2005 verstorbenen ehemaligen Einsatzleiters der Polizeidirektion Nürnberg und vorzüglichen Kenners der Nürnberger Kunst- und Strafvollzugsgeschichte Friedrich von Hagen stützen konnte, einen gewinnbringenden Beitrag zur Nürnberger Kriminalgeschichte geliefert hat, der aufgrund seiner Quellenfülle für künftige Forschungen auf diesem Gebiet genauso wie für vielfältige sozialgeschichtliche Fragestellungen zu Nürnberg in der Frühen Neuzeit lohnend herangezogen werden kann. Dankenswerter Weise wurde der Publikation ein Glossar beigegeben, in welchem dem Leser nützliche Erklärungen für historische Bezeichnungen, die nicht dem heutigen Sprachgebrauch entsprechen, angeboten werden. Erschlossen wird der Band durch ein benutzerfreundliches Personen- und Ortsregister.

Erschienen am 24.02.2011

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