(Münchner Theologische Beiträge 14), München 2010, Utz, 576 Seiten, 104 Abbildungen
Rezensiert von Christine Steininger (München) PDF-Datei
Das Weilheimer Heilig-Geist-Spital entstand als private Stiftung der Münchener Bürgerfamilie der Püttrich zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Nach seiner Übergabe an die Stadt im Jahre 1405 wurde es als Stiftung unter städtischer Verwaltung bis zur Auflösung der Stiftung im Jahr 1943 weitergeführt.
In seiner im Wintersemester 2009/10 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München als Dissertation eingereichten umfangreichen Monographie über das Heilig-Geist-Spital verfolgt Joachim Heberlein zunächst kurz die Geschichte dieser Stiftung und beschäftigt sich dann mit den Strukturen der Stiftungsverwaltung und den einzelnen Ämtern innerhalb dieser Verwaltung vom Spitalmeister bis hinunter zum Dienst- und Aufsichtspersonal. Es folgt eine detaillierte Baugeschichte aller mit dem Spital in Verbindung stehender Gebäude; anschließend wendet sich der Autor dem Leben im Spital und der Funktion der Einrichtung für die Armenfürsorge und für das städtische Leben in Weilheim zu. Ein viertes Kapitel widmet sich den Spitalfinanzen, schließlich wird noch der Geschichte des Spitalkuratiebenefiziums nachgegangen. Ergänzt wird das Werk durch mehrere Anhänge, die neben einem Abdruck von Quellen von der Gründungsurkunde bis zu den abzuleistenden Gebeten eine Genealogie der Stifterfamilie und prosopographische Angaben zu den Amtsträgern der Spitalverwaltung sowie zu den im 19. und 20. Jahrhundert im Spital wirkenden Schwestern bieten.
Das große Verdienst von Heberleins Arbeit ist die Aufarbeitung der zahlreichen verschiedenartigen Quellen zur Weilheimer Spitalgeschichte und damit auch zur Geschichte der Stadt. Bedauerlicherweise ist man bei der Stadtgeschichte ja immer noch auf die Arbeiten Andreas Schmidtners (im Weilheim-Werdenfelser Wochenblatt und im Weilheimer Tagblatt) und die "Chronik der Stadt Weilheim" (1865) Karl Böhaimbs aus dem 19. Jahrhundert angewiesen. Besonders die prosopographischen Anhänge werden Landeshistoriker nicht nur für die Stadtgeschichte Weilheims, sondern auch für die Geschichte der gesamten Region nützlich finden. Auch eine Auswertung der zahlreichen Fußnoten fördert manche Ergänzung zu Stadt- und Regionalgeschichte zu Tage. Wer auf der Suche auch nach abgelegenen Informationen ist, wird von Heberlein sicher gut bedient; diese Detailverliebtheit muss jedoch auch als Schwäche des Manuskriptes gelten. Wer eine Geschichte des Spitals lesen möchte, wird die Auswertung auch noch der unbedeutendsten Quelle manchmal als etwas lästig empfinden. Um so mehr zu bedauern ist das Fehlen von Registern, die die Quellenauswertung in vielfältiger Weise hätten erschließen und eine zielgerichtete Lektüre hätten fördern können. Dem gesamten Band sieht man seine Entstehung als Dissertation deutlich an. Eine gründliche Lektorierung, gelegentliche Straffung und eine Neuformatierung des zu Grunde liegenden Manuskriptes hätten dem Text sicher gut getan.
Erschienen am 16.06.2011
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