Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Helmut Rischert

Der Deutsche Orden im Wittelsbacher Land. Die Kommende Blumenthal

Aichach 2010, Stadt Aichach, 175 Seiten, zahlr. Abbildungen

Rezensiert von Cornelia Oelwein (Ilmmünster)      PDF-Datei


Auf der Suche nach der Geschichte der Kommende Blumenthal musste man bis vor kurzem - abgesehen von einigen wenigen Aufsätzen zu Teilaspekten - zum zweiten Band von Anton Steicheles Augsburger Bistumsgeschichte von 1864 greifen. Zum 800jährigen Jubiläum des Deutschen Ordens im Wittelsbacher Land legte nun Helmut Rischert eine neue, quellenreiche Publikation zur Kommende Blumenthal vor.
1290 schenkte der bayerische Herzog Ludwig I. dem Deutschen Orden die Kirche in Aichach, nachdem der Orden bereits Besitzungen in der Region hatte, die im Laufe der Zeit weiter anwuchsen. Der Besitz in Blumenthal kam 1354 als Schenkung Berthold Marschalls von Schiltberg hinzu. 1384 wurde die Kommende Aichach in das nur wenige Kilometer südöstlich im Tal der Ecknach gelegene Blumenthal transferiert, und schließlich wurden 1752 die Besitzungen als Hofmark Blumenthal der gleichnamigen Kommende zusammengefasst. Die schwarzen Tatzenkreuze des Deutschen Ordens an und in vielen Kirchen rund um Aichach belegen noch heute den reichen Besitz des Deutschen Ordens in diesem Raum.
Die Kommende, die zur Ballei Franken gehörte, wurde nach und nach von insgesamt 70 Komturen betreut. Schon vor Abschluss des Preßburger Friedens am 26. Dezember 1805, der den Ordensbesitz in den Rheinbundstaaten aufhob, wurde Blumenthal am 9. Dezember 1805 von Bayern beschlagnahmt und am 11. Januar 1806 gänzlich in Besitz genommen. Die einschichtigen Güter wurden versteigert; die Baulichkeiten gelangten am 14. August 1806 an die Grafen Fugger von Dietenheim, die 1822 und 1836 drei Flügel des alten Wasserschlosses abreißen und die Wassergräben verfüllen ließen und lediglich den Südflügel zu ihren Zwecken ausbauten sowie neue Wirtschaftsgebäude errichteten. Seit 2006 befindet sich Blumenthal im Besitz der Eigentümergesellschaft Schloss Blumenthal GmbH & Co KG. Heute beherbergt das noch immer bemerkenswert geschlossene und stimmungsvolle Bauensemble eine Drei-Generationen-Wohnanlage, Gastronomie, ein Hotel (derzeit im Umbau) und kulturelle Einrichtungen.
Helmut Rischert hat in seinem Buch den Fokus auf die Zeit als Deutschordenskommende gerichtet. Nach einem allgemeinen Kapitel über den Deutschen Orden und die Ballei Franken widmet er seine Aufmerksamkeit dem Deutschen Haus Blumenthal sowie dessen Patronatspfarreien und -benefizien im Wittelsbacher Land. Dabei werden Baumaßnahmen ebenso behandelt wie Biographien von Komturen, das Ordenspersonal oder der Schlossgarten. Aussagekräftige Abbildungen etwa von Epitaphien (wenn nötig mit Transkription), Stichen und Gemälden von Komturen, Wappenerklärungen sowie Listen der Komture, des Personals, der Richter und Amtsverwalter und der Schlosskapläne sowie schematische Zeichnungen zur Lage bereichern die Geschichte. Jeder der einzelnen Patronatspfarreien in Klingen, Gallenbach, Schiltberg, Echsheim, Gundelsdorf, Unterbaar, Oberbernbach und Oberwittelsbach sowie der zu Blumenthal gehörigen Wallfahrtskirche Maria Birnbaum in Sielenbach ist ein eigenes kleines Kapitel gewidmet.
Der Verfasser bemühte sich nach eigenen Worten, "eine Arbeit abzuliefern, die sowohl wissenschaftlichen Anforderungen genügt als auch für den Interessierten lesbar erscheint" (S. 7). Das ist dem Aichacher Kreisarchivpfleger gelungen. Weiter schreibt er, dass noch viele Bücher über den Deutschen Orden im Wittelsbacher Land geschrieben werden könnten. Dank der Quellenangaben in den Anmerkungen sowie dem Register wird dies sicher der Fall sein. Allerdings ist in diesem Zusammenhang auf ein Problem hinzuweisen: Die 2010 erschienene Publikation fußt auf mehrjährigen Vorarbeiten. Im selben Jahr 2010 hat nun das Bayerische Hauptstaatsarchiv die Bestände zu Blumenthal, die bisher auf die Staatsarchive München und Nürnberg verteilt lagerten, mit den Beständen im Bayerischen Hauptstaatsarchiv unter dem neuen Bestand "Deutscher Orden, Kommende Blumenthal Amtsbücher und Akten" vereint und mit neuen Findbüchern versehen. So sind die Quellenangaben in der Veröffentlichung von Rischert bereits zum Teil nicht mehr aktuell.

Erschienen am 06.03.2012

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