Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Ferdinand Opll (Bearb.)

Die Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I. 1152 (1122)-1190. 4. Lieferung 1181-1190

(J.F. Böhmer, Regesta Imperii IV, 2/4), Wien 2011, Böhlau, LIV, 345 Seiten

Rezensiert von Gabriele Schlütter-Schindler (Frankfurt/M.)      PDF-Datei


Zehn Jahre nach der Veröffentlichung der 3. Lieferung, die 2001 erschienen ist (vgl. ZBLG 66, 2003, 234f.), hat Ferdinand Opll nun den vierten Teil der Regesten Friedrichs I. vorgelegt. Er umfaßt das letzte Lebensjahrzehnt des Kaisers bis zu seinem Tod im oder am Ufer des Saleph am 10. Juni 1190.
Zu Beginn des Jahres 1181 beschäftigten den Kaiser noch immer die Verhältnisse in Sachsen. Auch mit der Unterwerfung Heinrichs des Löwen auf dem Erfurter Hoftag Ende des Jahres (Nr. 2633) ließen sich die sächsischen Probleme nicht endgültig lösen und verlangten immer wieder das Eingreifen des Kaisers (Nr. 2676-2681). Auf dem Regensburger Hoftag im Herbst 1182 regelte der Staufer die zwischen Friedrich von Böhmen und Konrad-Otto von Mähren ausgebrochenen Streitigkeiten (Nr. 2670; der in diesem Zusammenhang - Nr. 2666 - nach Prag entsandte bayerische Pfalzgraf Otto, dürfte Otto VI. Minor, der Schwiegervater Konrad-Ottos gewesen sein, nicht sein herzoglicher Bruder Otto I.). Einen Schwerpunkt des Jahres 1183 bildeten die Verhandlungen Friedrichs mit den lombardischen Städten (Nr. 2690, 2692-2697, 2699), die ihren Abschluß im Konstanzer Frieden fanden (Nr. 2715, 2716). Auf dem Rückweg von Konstanz starb Herzog Otto I. von Bayern (Nr. 2729, 2730), langjähriger Begleiter und Helfer des Kaisers. Nach den glänzenden Feierlichkeiten anläßlich der Schwertleite der kaiserlichen Söhne - König Heinrichs VI. und Herzog Friedrichs von Schwaben (Nr. 2762) - zu Pfingsten 1184 in Mainz zog Friedrich ein letztes Mal nach Italien (Nr. 2782), wo er sich bis Mitte 1186 aufhielt (Nr. 3010). Die erfolglosen Verhandlungen mit dem Papst bewogen ihn zu einer Änderung seiner Italienpolitik. Er verband seinen Sohn mit Konstanze von Sizilien (Nr. 2799) und schloß im Februar 1185 ein Bündnis mit Mailand (Nr. 2859).
Die Aktivitäten des neuen Papstes Urban III., der den Kontakt zum schon immer äußerst selbständig agierenden und eine Verbindung mit Frankreich anstrebenden Kölner Erzbischof suchte, dürften die Rückkehr des Kaisers nach Deutschland beschleunigt haben. Sein eigenes im Mai 1187 mit Frankreich geschlossenes Bündnis (Nr. 3075) zerstörte die Kölner Pläne, isolierte den Erzbischof und entzog der Opposition außenpolitische Hilfe.
Die Nachrichten über die Niederlagen christlicher Heere und die Eroberung Jerusalems im Herbst 1187 führten zur Kreuznahme des Kaisers und der Großen auf dem Mainzer Hoftag (Jesu Christi) im März 1188 (Nr. 3145). Noch in Mainz übertrug der Kaiser seinem Sohn Heinrich VI. die Regentschaft des Reiches. Seine Aufmerksamkeit richtete sich nun vorrangig auf die logistische und diplomatische Vorbereitung des Kreuzzugs sowie auf die Befriedung der Verhältnisse im Reich. In diesen Zusammenhang gehörte der Versuch, über die Constitutio contra incendiarios dem Fehdewesen wenigstens begrenzende Regeln zu setzen (Nr. 3215). Zu den vorhandenen Gefahrenquellen zählte Friedrich noch immer Heinrich den Löwen, dessen Aktionsradius er für die Zeit seiner Abwesenheit zu beschneiden suchte (Nr. 3177). Als er am 15. April 1189 in Hagenau aufbrach (Nr. 3245), hatte er sein Erbe geordnet (Nr. 3229). Auf dem Hoftag zu Regensburg versammelte er die Teilnehmer des Kreuzzugs (Nr. 3259). Am 11. Mai verließ er die Stadt und fuhr die Donau hinab nach Wien (Nr. 3265), durchquerte Ungarn und das Byzantinische Reich und setzte im Frühjahr 1190 nach Kleinasien über. Unter schweren Kämpfen erreichte er Armenien und gelangte an den Saleph.
Die Einleitung nutzt Opll, um dem Leser auf den ersten Seiten noch eimal die Rahmenrichtlinien seiner Vorgehensweise zu vergegenwärtigen. Nach dem Abschluß des ersten Teils 1980 trug Opll Arbeitslast und Verantwortung allein und spricht in diesem Zusammenhang auch die Probleme eines "Einmannunternehmens" an, das besonders bei der Erfassung und Filterung der einschlägigen Literatur zu den diplomatischen wie inhaltlichen Fragen einzelner Dokumente und dem - illusorischen - Streben nach Vollständigkeit an Grenzen stoßen muß.
Die Regesten des ersten staufischen Kaisers und seiner Gemahlin Beatrix beruhen auf einer denkbar breiten Basis. Es wurden neben den Herrscherurkunden auch urkundliche Zeugnisse anderer Art (zum Beispiel auf ihn Bezug nehmende Urkunden geistlicher und weltlicher Fürsten, auch Legatenurkunden) sowie die Vielzahl der erzählenden Quellen berücksichtigt, deren Autoren sich aus den unterschiedlichsten Interessen und Blickwinkeln mit dem Kaiser und seinem Wirken befaßten.
Zum Abschluß hat Opll je eine Statistik über den Bearbeitungsumfang (auf ein lediglich technisches Versehen innerhalb der Anmerkungszählung ist zu achten) und die Überlieferungsdichte erstellt und mit der gebotenen Vorsicht ausgewertet. Spitzenjahr ist das Jahr 1189 mit 201 Regesten. Die hohe Zahl erklärt sich zu einem guten Teil aus den - sinnvoll, aber eben willkürlich - vor dem Aufbruch zum Kreuzzug eingeschobenen undatierbaren Deperdita und der Tatsache des Kreuzzugs, die jeder Historiograph in seinem Werk vermerkt hat. Davon abgesehen lassen sich den regestenstarken Jahrgängen 1159, 1162, 1164, 1167 und 1177 auch politisch herausragende Konstellationen zuordnen, die wiederum den Fleiß und das Mitteilungsbedürfnis der Schreiber anregten.
Dem 4. Teil sind Nachträge zu den Lieferungen 1 bis 3 vorangestellt (S. XIX-LIV), den Abschluß bildet wie üblich die Konkordanztafel (S. 343-345).
Das erreichbare Wissen der noch vorhandenen Quellen zum Leben und Wirken Friedrichs I. liegt nun geordnet, zuverlässig aufbereitet und - soweit nötig - auch kommentiert vor. In etwa fünf Jahren ist uns Benutzern der fünfte Teil mit Namenregister, Quellen- und Literaturverzeichnis versprochen, der die gezielte Suche vereinfachen und den Abschluß des 1975 begonnenen "Monstervorhabens" (S. VII) bilden wird.

Erschienen am 03.05.2012

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