(Quellen zu den Reformen in den Rheinbundstaaten 8), München 2012, Oldenbourg, VIII, 809 Seiten
Rezensiert von Martin Furtwängler (Stuttgart) PDF-Datei
Aufgrund der territorialen, staatlichen und politischen Umwälzungen, die Deutschland seit dem Ausbruch der Französischen Revolution zunehmend betrafen, waren auch in Baden weitreichende Reformen im Bereich staatlicher Organisation und Verwaltung mehr und mehr notwendig geworden. Der von Maria Schimke bearbeitete Quellenband enthält insgesamt 89 ausgewählte Quellentexte zur badischen Reformpolitik zu Beginn des 19. Jahrhunderts: 50 Gesetze und Verordnungen, die bereits gedruckt in Regierungs- und Gesetzesblättern sowie in anhängenden Separatdrucken vorliegen, dazu 39 Archivalien aus den Beständen des Generallandesarchivs Karlsruhe.
Sie zeigen einerseits die Ergebnisse dieses Reformprozesses, wie sie sich in den Gesetzen widerspiegeln, sie vermitteln aber auch ein präzises Bild von den Problemen und Hindernissen, die dem Reformprozess in Baden anhafteten. Neben einer starken Einflussnahme Frankreichs auf die Verhältnisse in Baden wurden diese vornehmlich dadurch verursacht, dass im Gegensatz zu Bayern, Württemberg und anderen Rheinbundstaaten in Baden der Monarch als oberste Entscheidungsinstanz weitgehend nicht zur Verfügung stand: Großherzog Karl Friedrich war alt, am Ende seiner körperlichen und geistigen Kräfte, sein Nachfolger ab 1811, Großherzog Karl, zwar jung, aber kränklich und entscheidungsschwach. Der Reformprozess lag deshalb - von den teils massiven Eingriffen Napoleons abgesehen - weitgehend in der Hand der Beamtenschaft. Hier konkurrierten jedoch zwei Richtungen hinsichtlich des künftigen Aufbaus des neuen badischen Staates: eine eher die gewachsenen Strukturen in den einzelnen Landesteilen berücksichtigende Konzeption, die sich mit dem Namen des Staatsrats Johann Nikolaus Friedrich Brauer verbindet, und eine, die eher dem modernen französischen Vorbild einer straff zentralisierten Verwaltung verpflichtet war, die insbesondere der badische Staatsmann Sigismund von Reitzenstein verfolgte. Die Folge dieser internen Auseinandersetzung war eine mal hierhin, mal dahin schwankende Reformpolitik.
Dies wird in dem vorliegenden Quellenband in fünf Abschnitten aufgezeigt. Einer Einführung, in der auf die grundsätzlichen Voraussetzungen und Zusammenhänge der Reformen eingegangen wird, folgt ein zweiter Abschnitt über den Aufbau des neuen Staates, bei dem die Entwicklung der Verwaltungs- und Justizbehörden, die Gemeindegesetzgebung und das Beamtenrecht beleuchtet werden. Weitere Kapitel sind der Zivil- und Strafgesetzgebung sowie der Religion beziehungsweise den Kirchen gewidmet. Relativ breiten Raum nimmt zu Recht die Einordnung des Adels in den neuen badischen Staat ein, schließlich lebten in der Rheinbundzeit rund 30 Prozent aller Einwohner des Landes in den Territorien der mediatisierten Standes- und Grundherren. Durch die Rheinbundakte waren sie zwar der Souveränität des Großherzogs unterworfen. Sie durften jedoch zunächst eine Reihe von Vorrechten beibehalten, die einem Staatsneubau gemäß den damals sich durchsetzenden Vorstellungen vom modernen Staat entgegenstanden.
Insgesamt gibt die von Maria Schimke getroffene Auswahl der Quellen einen guten Überblick über die Reformbemühungen im damaligen Kurfürsten-, dann Großherzogtum Baden. Allerdings hätte eine intensivere Heranziehung archivalischer Quellen neben den Diskussionen und Entscheidungsfindungsprozessen innerhalb der badischen Administration vielleicht auch die Widerstände und Bedenken von außen gegen die Reformen noch deutlicher hervortreten lassen können. Die kompetente und sorgfältige Kommentierung der Quellen liefert wertvolle Hinweise auf weiterführende Quellen- und Gesetzestexte. Auf eine Diskussion der Sekundärliteratur wurde weitgehend verzichtet. Dennoch ist es mit dieser Edition gelungen, der Forschung ein wichtiges Instrumentarium zur vertiefenden Diskussion des Reformprozesses Anfang des 19. Jahrhunderts in Baden an die Hand zu geben, das die bislang vorliegenden älteren Quelleneditionen wie etwa die "Politische Correspondenz Karl Friedrichs von Baden" (6 Bde., 1888-1915) sehr gut ergänzt.
Erschienen am 15.06.2012
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