München 2012, C.H. Beck, 464 Seiten, zahlr. Abbildungen
Rezensiert von Robert Münster (München) PDF-Datei
Unter den namhaften Personen um Mozart genießt Emanuel Schikaneder als Textdichter der "Zauberflöte" mit die breiteste Bekanntheit. Die umfangreiche Spezialliteratur über sein Leben und Wirken ist zum Teil schon älteren Datums. Eva Gesine Baur, die unter anderem bereits biographische Darstellungen zu Chopin, Freud und Charlotte Schiller vorgelegt hat, widmet sich in ihrem neuen Buch dem Schauspieler, Theaterdirektor, Textdichter, Regisseur und Komponisten Schikaneder. Vorab sei in aller Kürze dessen Lebensweg angedeutet. Schikaneder wurde 1751 in Straubing geboren, wuchs in Regensburg auf und debütierte 1773 in Augsburg als Schauspieler. Ab 1778 Prinzipal einer Schauspielertruppe bereiste er Süddeutschland und Österreich, gastierte 1781 auch in Salzburg, wo er mit der Familie Mozart in engen Kontakt trat, war dann zeitweise Pächter des Wiener Kärntnertortheaters, wechselte an das Burgtheater und wurde 1787 Leiter des Fürstlichen Hoftheaters in Regensburg. 1790 erhielt er ein Privileg für das Wiedener Theater, wo Mozarts "Zauberflöte" zur Aufführung gelangte. 1801 konnte er das neu erbaute Theater an der Wien eröffnen. Von 1807 bis 1809 war er Leiter des städtischen Theaters in Brünn, kehrte dann nach Wien zurück und starb mittellos in geistiger Umnachtung.
Eva Gesine Baur setzt sich anhand der Fülle an einschlägiger Literatur intensiv mit Schikaneder, Mozart und den Zeitumständen auseinander. Von den frühen Jugendjahren an werden das Leben und Wirken Schikaneders und das W.A. Mozarts parallel im Vergleich einander gegenübergestellt. Allein schon die turbulente Lebensgeschichte des Universaltalents Schikaneder mit ihren Höhen und Tiefen bietet reichlich dankbaren Stoff. Die Autorin besitzt beste Detailkenntnisse - so etwa über die Theaterverhältnisse in Wien; sie füllt ihre Darstellung virtuos, mitunter etwas eigenwillig, mit prallem Leben. Die auftretenden Personen entsprechen der Realität und auch der historische Ablauf ist korrekt eingehalten. Obwohl das vorhandene Schrifttum mit Gründlichkeit ausgewertet wird, liegt hier doch keine streng wissenschaftliche Darstellung vor. Die Autorin bietet ein stets interessantes, spannend und mit Gewinn zu lesendes Zeitgemälde in eigener Sicht, das nie ins Romanhafte abgleitet.
Erschienen am 10.09.2012
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