Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Werner Schiedermair

Der Churfürstensaal im ehemaligen Zisterzienserkloster Fürstenfeld. Mit Fotografien von Philipp Schönborn

Lindenberg im Allgäu 2012, Fink, 55 Seiten, 36 Abbildungen

Rezensiert von Helga Czerny (Puchheim)      PDF-Datei


Der vorliegende schmale Band ist die (etwas verspätete) Festschrift zur Wiedereröffnung des Churfürstensaals im ehemaligen Kloster Fürstenfeld im Oktober 2010, zugleich ein Vorabdruck aus der Neuauflage der großen, von Werner Schiedermair herausgegebenen Fürstenfeld-Monographie (vgl. ZBLG 71, 2008, 669f.).
Alles Wissenswerte über diesen Saal, der eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat, ist hier zusammengefasst. 1263 hatte der bayerische Herzog Ludwig II. das Zisterzienserkloster gegründet. Ende des 17. Jahrhunderts wurden unter Abt Balduin Helm erst die Konventgebäude, dann Anfang des 18. Jahrhunderts die Kirche im barocken Stil neu errichtet. Planender Architekt war Giovanni Antonio Viscardi. Kurfürst Max Emanuel genehmigte den Bau, nahm Einfluss auf die Planung: Im zweiten Obergeschoß des Westflügels, dem Piano nobile, über der Zimmerflucht des Abtes entstanden Räume für die kurfürstliche Familie und als westlicher Abschluss, schon im Nordtrakt, ein großer hoher Festsaal von neun Meter Höhe, 27,50 Meter Länge und zwölf Meter Breite, der Churfürstensaal. Die Fresken im Saal, die Taten des Herkules und Episoden aus der Jugendgeschichte König Davids darstellen, schuf Georg Asam. Die Stuckdekoration fertigte Giovanni Niccol• Perti.
Bei der Säkularisation 1803 wurde auch dieses dem Haus Wittelsbach eng verbundene Kloster nicht verschont und aufgehoben, zunächst an einen Fabrikanten verkauft, später zurückgekauft und vom bayerischen Staat verschiedenen Nutzungen zugeführt. Während der Zeit als Militärinvalidenanstalt ersetzte man 1860 die barocke Decke des Saals wegen Einsturzgefahr durch eine neue, zog zugleich eine Zwischendecke ein, um den Raum optimal nutzen zu können. Dabei wurden Fresken und Stuck übermalt und verputzt. Ab 1924 nutzte die bayerische Landespolizei das Gebäude, seit 1975 war in den Räumen der Fachbereich Polizei der bayerischen Beamtenfachhochschule untergebracht. Die Holzdecke ersetzte man durch eine Stahlrippendecke, der Stuck wurde teilweise abgeschlagen, Türöffnungen eingebrochen, um bequemen Zugang zum oberen Teilraum zu erlangen, da dort eine Lehrmittelsammlung für den Polizeivollzug vorgesehen war. Der ursprüngliche Saal war "nur noch eine archivalische Größe" (S. 13).
Bei einer Ortsbegehung durch den Kreisheimatpfleger und Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege wurden 1992 zufällig Fresken entdeckt. Sofort kam die Idee auf, diese freizulegen. Nach Forschungen in den Archivalien und Beratung durch Historiker und Kunstexperten fasste eine Gruppe von engagierten Bürgern unterstützt von Politikern und Behördenvertretern den Plan, den gesamten Saal wieder herzustellen und öffentlich nutzbar zu machen. 1994 wurde der Förderverein "Freunde des Klosters Fürstenfeld" e.V. gegründet, der sich eben diese Aufgabe zum Ziel setzte. Dem Verein, der bald 240 Mitglieder zählte, vor allem dem Vorsitzenden Minister Dr. Thomas Goppel, gelang es das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Staatsregierung für das Projekt zu interessieren. Man erhielt schließlich 2004 die Zusage zu helfen, wenn die Hälfte der notwendigen Summe, immerhin noch 750 000 Euro, an Spenden gesammelt würden. Als dies, angestoßen 2005 durch eine großzügige Einzelspende, bald erreicht war, konnte 2007 der Umbau beginnen.
Zum Abschluss der Wiederherstellung und feierlichen Eröffnung wurde dieser kleine Band aufgelegt, der reich bebildert ist mit Aufnahmen, die sowohl den Zustand vor 1992 zeigen und die Umbaumaßnahmen dokumentieren, als auch sehr guten Fotografien von Philipp Schönborn, die den Saal in seinem neuen Zustand zeigen, die wieder freigelegten Fresken und Stuckarbeiten, und die dort wieder aufgehängten Porträts von Wittelsbachern.
Die Aufsätze von Werner Schiedermair, Lothar Altmann und Eva Langenstein befassen sich eingehend und kenntnisreich mit den Themen: "Zur Baugeschichte - Zur Wiederherstellung des Churfürstensaals - Zu den Fresken - Zur beweglichen Ausstattung des Churfürstensaals". Dazu wird eine Literaturliste angefügt; Einzelnachweise werden nicht gegeben.
Im Band zusätzlich enthalten sind die Rede zur Eröffnung des Churfürstensaals von Thomas Goppel, in der er mit viel Humor die oben angeführten Ereignisse der Entdeckung und Freilegung der Fresken und des Stucks - teilweise aus eigener Erfahrung - ausführlich schildert.
Ergänzend folgen der Abdruck von "Einladung und Programm zur Voreröffnung des Churfürstensaals für die Mitglieder und Förderer des Fördervereins am 14. Oktober 2010" sowie das "Programm aus Anlaß der feierlichen Wiedereröffnung des Churfürstensaals am 17. Oktober 2010", die Liste der Mitglieder des Fördervereins zum Zeitpunkt der Wiedereröffnung des Churfürstensaals, sowie in Stichpunkten die Historie von dessen Wiedererrichtung.

Erschienen am 13.06.2014

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