Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Gerald Huber

Die Reichen Herzöge von Bayern-Landshut. Bayerns goldenes Jahrhundert

(Kleine bayerische Biografien), Regensburg 2013, Pustet, 158 Seiten, 24 Abbildungen

Rezensiert von Irmgard Lackner (Geisenhausen)      PDF-Datei


Mit seinem in der Reihe "Kleine bayerische Biografien" erschienenem Werk unternimmt Gerald Huber den Versuch, die Zeit der reichen Herzöge, die von 1393 bis 1503 über das wittelsbachische Teilherzogtum Bayern-Landshut herrschten, einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Die in den letzten Jahrzehnten vorgelegten neuen wissenschaftlichen Studien, die vielfach zu einer Neubewertung dieser Epoche und dem Wirken der drei Wittelsbacherherzöge geführt haben, sollen - dem Anliegen der Reihe entsprechend - für den interessierten, aber nicht fachlich versierten Leser aufbereitet und in knapper Form präsentiert werden.
Ein kurzer Prolog über die Gründung der Stadt Landshut und deren Etablierung als herzogliche Residenzstadt im 13. Jahrhundert sowie ein knapper Überblick über die sehr komplexe Zeit der bayerischen Landesteilungen unter den Erben Kaiser Ludwigs des Bayern und der Manifestierung des Herzogtums Bayern-Landshut nach der Landesteilung von 1392 sind den drei Kapiteln über die drei reichen Herzöge vorangestellt.
Die Herzöge Heinrich XVI., Ludwig IX. und Georg werden schon durch ihren Beinamen charakterisiert. Ihr Reichtum übertraf den der meisten anderen Fürsten in Deutschland bei weitem und erlaubte ihnen eine glänzende Hofhaltung und eine selbstbewusste und weit gespannte Politik. Zu jedem der drei Herrscher bietet Huber, basierend auf älteren und neuen Forschungen und der zeitgenössischen Historiographie, einen Einblick in ihr Leben und Sterben, ihr Wirken als Landesherrn im niederbayerischen Herzogtum sowie in ihre politischen Aktionen gegenüber den übrigen wittelsbachischen Linien und auf Reichsebene.
Das letzte Hauptkapitel widmet sich dem Ende des Herzogtums Bayern-Landshut mit dem Tod Herzog Georgs des Reichen im Jahr 1503 und dem Verlauf des verheerenden Landshuter Erbfolgekriegs 1504/05. Huber zeigt den Kampf zwischen Herzog Georgs Erbtochter Elisabeth und deren Ehemann Ruprecht von der Pfalz sowie Albrecht IV. von Bayern-München und König Maximilian I. um das reiche niederbayerische Erbe und dessen Aufteilung mit dem Kölner Schiedsspruch von 1505 auf.
Kleinere Exkurse in separaten Textkästchen - etwa zu den Hussiten oder den habsburgischen Linien - bieten durchgehend separate Informationen, ohne den Haupttext zu beschweren.
Hubers Nachwort bildet ein kurzer Ausblick auf das 16. Jahrhundert und die Regentschaft Herzog Ludwigs X., der dem niederbayerischen Landesteil mit der Residenzstadt Landshut nochmals zu einer letzten großen Glanzzeit verhalf, bevor er nach der Wiedervereinigung von 1505 im Schatten Oberbayerns mit dem Hauptsitz Münchens versank.
Auf den Spuren des Erbes der Reichen Herzöge von Bayern-Landshut geht Huber in seinem Nachwort allerdings nur sehr kurze Wege. Die knappen Hinweise auf die architektonischen Zeitzeugen in Bayern in Form von Sakral- und Profanbauten greifen zu kurz. Die nachhaltigen Impulse, die die reichen Herzöge in Bayerns "goldenem Jahrhundert" gesetzt haben, waren weitaus vielfältiger und umfangreicher. Mit der Konsolidierung des Herzogtums Bayern-Landshut unter den reichen Herzögen fand ein vielfältiger wirtschaftlicher und kultureller Ausbau auf höchstem Niveau statt. Nicht nur die Malerei und die bildenden Künste erlebten eine Blüte. Auch das Plattnerhandwerk stand vom Ende des 15. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts auf seinem Höhepunkt und genoss internationales Ansehen. Weitere Ausführungen wären an dieser Stelle angebracht gewesen.
Sichtbarstes Zeichen für die lebendige Erinnerung an diese goldene Zeit in der Gegenwart ist außerdem zweifelsfrei das vom Landshuter Verein "Die Förderer e.V." mit großer Authentizität ausgerichtete historische Festspiel der prunkvollen Hochzeit Herzog Georgs mit der polnischen Königstochter Hedwig im Jahr 1475. Der klassizistische Bilderzyklus im Landshuter Rathaus gab 1902 den Anstoß, die Erinnerung an dieses spätmittelalterliche Fest wieder lebendig werden zu lassen. Dieses seit 1903 stattfindende Historienspiel eröffnet im vierjährigen Zyklus einem großen Publikum eine historische Momentaufnahme aus der Epoche der reichen Herzöge und damit einen ersten Zugang zu dieser Zeit. Einige Anmerkungen dazu fehlen.
Die für einen Überblick nötigen Stammtafeln, eine Zeittafel und Literatur in Auswahl runden als Anhang den Überblick über dieses "goldene Jahrhundert Bayerns" ab.
Trotz der kritischen Anmerkungen kommt Huber zweifelsfrei das Verdienst zu, die wissenschaftlichen Studien zu dieser Zeit in der vorliegenden kleinen Biografie verständlich und doch sehr fundiert aufbereitet zu haben und damit dem interessierten Leser einen knappen, aber gut strukturierten Überblick zu bieten. Es bleibt zu wünschen, dass die vorliegende Publikation weiteres Interesse für die einzigartige Epoche der reichen Herzöge, die zweifelsfrei zu einer der glanzvollsten und interessantesten in der Geschichte Niederbayerns zählt, weckt.

Erschienen am 18.02.2014

[KBL-Startseite] [ZBLG-ONLINE] [Impressum]