Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Die städtischen Kliniken Münchens in Geschichte und Gegenwart

München 2009, Dreesbach, 107 Seiten, zahlr. Abbildungen

Rezensiert von Wolfgang Burgmair (München)      PDF-Datei


Die Geschäftsführung der "Städtischen Klinikum München GmbH" beauftragte zum 850-Jahr-Jubläum Münchens im Jahre 2008 die kommerzielle Geschichtsrechercheagentur 'Neumann & Kamp Historische Projekte' mit der Erstellung einer Überblicksgeschichte des kommunalen Gesundheitswesens in München von den quellenmäßig belegten Anfängen bis in die Jetztzeit. 2009 erschien das Buch und erfuhr 2013 eine unveränderte Neuauflage.
In elf Kapiteln werden auf insgesamt 100 Textseiten fast sieben Jahrhunderte medizinischer Stadtgeschichte gestreift, beginnend mit "Badern und Chirurgen", den ersten Spitälern und anderen, teils privaten, teils öffentlichen Einrichtung zur Versorgung und Verwahrung von Kranken bis zum Beginn der Professionalisierung des Krankenhauswesens im 19. Jahrhundert. Daran schließt sich ein Kapitel über die Entwicklung der Krankenhäuser, der Pflegeorden sowie der großen Epidemien und der dadurch angeregten medizinischen Forschung an. Kurz werden die Tuberkulosefürsorge und das städtische Erholungsheim in Harlaching dargestellt, um schließlich in weiteren Einzelkapiteln das Krankenhaus München-Schwabing und die Dermatologische Klinik an der Thalkirchnerstraße zu würdigen. Im darauf folgenden Kapitel befassen sich die Autoren mit der Zeit des Nationalsozialismus, den Schicksalen jüdischer Ärzte und dem Zweiten Weltkrieg. Die restlichen Kapitel sind dem Neuanfang nach 1945, den Krankenhausneubauten in Harlaching, Neuperlach und Bogenhausen, den Aspekten der Pflege, wie Pflegeschulen und der Ausbildung im Pflegebereich, dem Wandel der Personalstruktur sowie der Krankhausreform Ende der 1960er Jahre, schließlich den Problemen des Pflegenotstands und den "Herausforderungen im Gesundheitswesen" gewidmet. Ein Anmerkungsverzeichnis, gegliedert nach den einzelnen Kapiteln und das Abbildungsverzeichnis schließen den Band ab. Ein Quellen- und Literaturverzeichnis fehlt bedauerlicherweise.
Auf den ersten Blick scheinen alle wesentlichen Bereiche und Epochen der kommunalen Gesundheitsversorgung Münchens gewürdigt worden zu sein. Doch betrachtet man den Inhalt näher, so ist man schnell verwundert, wie wenig Raum die Autoren den ersten fünf Jahrhunderten zubilligen, wohingegen die folgenden knapp 180 Jahre, besonders aber die Zeit nach 1945 den Hauptteil der Darstellung bestimmen. Dies ist umso bedauerlicher, weil gerade die stetige Entwicklung des kommunalen Gesundheitswesens ab dem 16. Jahrhundert nur in einzelnen, älteren Beiträgen im Oberbayerischen Archiv, anderen Zeitschriften sowie nicht mehr leicht erhältlichen Buchpublikationen thematisiert wurde; eine dringend erwünschte Überblicksdarstellung fehlt bisher. Auch die Modernisierungstendenzen im Gesundheitswesen der Aufklärungszeit bleiben in diesem Werk unbeachtet; gerade hier weist München eine interessante dreiteilige Struktur von privater, landesherrlicher und kommunaler Medizinreform auf. Erst das leichter zugängliche, weil seit rund 100 Jahren ständig erforschte Wirken des Allgemeinmediziners und Krankenhausdirektors Franz Xaver Häberl, ab 1809, erfährt eine etwas breitere Schilderung.
Letztlich bleibt der Inhalt des Buches sehr an der Oberfläche, egal welches Kapitel man auswählt. Nur die allerwichtigsten Daten werden auch optisch durch fettgedruckte Jahreszahlen hervorgehoben, doch dominieren hier ebenfalls sehr allgemein gehaltene Formulierungen. Auch bei den recht großzügig eingestreuten Abbildungen konkurrieren die "München-Motive" mit allgemeinen Medizin- und Geschichtsdarstellungen aus der Kunstgeschichte, wie zum Beispiel von Hieronymus Bosch oder dem Schweizer Genremaler Albert Anker. Leider wurde hier die Chance nicht genutzt, im Auftrag der kommunalen Krankenhausverwaltung eine wirklich fundierte, neue Forschungsergebnisse aufgreifende oder sogar durch eigene Recherchen erweiterte Überblicksdarstellung zu veröffentlichen und einer durchaus interessierten Öffentlichkeit an die Hand zu geben. Nicht einmal die Neuauflage des Buches hat dazu Anlass geboten, manches zu ergänzen oder zu erweitern, allem voran ein notwendiges Literaturverzeichnis anzufügen. Daß es im Bereich der Monacensia-Publikationen auch anders geht, beweisen die hervorragend lesbaren und sehr seriös recherchierten Buchveröffentlichungen der Historikerinnen Cornelia Oelwein und Christine Rädlinger, die stets über den wissenschaftlichen Apparat von Anmerkungs- und Literaturverzeichnis verfügen. Letztlich ist das Buch "Die städtischen Kliniken in Geschichte und Gegenwart" ein typisches Produkt einer Public Relations-Firma, das die Erwartungen, die der Titel verspricht, nicht halten kann.

Erschienen am 13.06.2014

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