Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Hardo Hilg (Bearb.)

Lateinische mittelalterliche Handschriften in Quarto der Universitätsbibliothek Augsburg. Die Signaturengruppen Cod. I.2.4° und Cod. II.1.4°

(Die Handschriften der Universitätsbibliothek Augsburg. Erste Reihe: Die lateinischen Handschriften, Bd. 3), Wiesbaden 2007, Harrassowitz, 623 Seiten, 38 Tafeln

Rezensiert von Magnus Ulrich Ferber (Bobingen)      PDF-Datei


Es ist ein notwendiges Unterfangen, dass Bibliotheken ihre Handschriften katalogisieren und diese Kataloge der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Nur so ist es der interessierten Fachwelt überhaupt möglich, diese Bestände vollständig zur Kenntnis zu nehmen. Dies gilt selbstverständlich auch für die Handschriften der Bibliothek der Fürsten von Oettingen-Wallerstein, die 1980 vom Freistaat Bayern aufgekauft wurde und in der Universitätsbibliothek Augsburg verwahrt wird. Dem im Aufbau befindlichen Handschriftenkatalog konnte nun Hardo Hilg einen weiteren Band hinzufügen, in dem die 115 Kodizes der historischen Signaturen Cod. I.2.4° und Cod. II.1.4° genauestens beschrieben sind. Damit ist der gesamte Bestand an lateinischen mittelalterlichen Handschriften in Quartformat erfasst.
Dem Zustandekommen der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek entsprechend setzt sich dieser Bestand aus Erwerbungen der fürstlichen Sammler, wie etwa einem Evangeliar aus Echternach vom Anfang des 8. Jahrhunderts (Cod. I.2.4° 2) oder einer Bilderbibel aus Pamplona aus der Zeit um 1200 (Cod. I.2.4° 15), mehrheitlich aber aus dem Säkularisationsgut der Klöster Füssen, Donauwörth, Mönchsdeggingen, Kirchheim und Maihingen zusammen. Aufgrund dieses Befunds kann es nicht überraschen, dass der erfasste Bestand seinen Schwerpunkt in klösterlichen Gebrauchstexten für die Liturgie, Erbauungsschriften und Handschriften für pastorale Aufgaben hat. Gerade die reichhaltige Überlieferung aus dem Kloster St. Mang in Füssen gibt - wie schon aus den katalogisierten lateinischen Handschriften in Foliogröße hervorgeht - einen starken Eindruck vom geistigen wie geistlichen Niveau dieser Benediktinerabtei. Doch auch Schriften aus dem Universitätsbereich in allen im Mittelalter üblichen Wissenschaften fanden Eingang in die Oettingen-Wallersteinsche Bibliothek.
Nach einer knappen Einleitung (S. 7-15) und einem Literaturverzeichnis (S. 16-24) folgt die ausführliche Beschreibung der Codices in der Reihenfolge ihrer Signatur (S. 25-481). In vorbildlicher Art und Weise wird mit großer Sorgfalt auf Material, Schriftart und Herkunft der jeweiligen Handschriften eingegangen sowie auf Editionen bzw. weiterführende Literatur hingewiesen. Ein Personen-, Orts und Sachregister (S. 483-544) ermöglicht die Erschließung dieses Katalogs, wobei zur Herstellung einer nutzerfreundlichen Übersichtlichkeit in den folgenden Bänden daran gedacht werden könnte, ein je eigenständiges Autoren- und Titelregister einzurichten, wie es im Folgenden für das Initienregister (S. 545-608), das Verzeichnis der Hymnen und Sequenzen (S. 609-616) sowie dasjenige der Verse und Versdichtungen (S. 617-619) bereits geschieht. Eine Liste der nachweisbaren Altsignaturen der Codices vor ihrer Einverleibung in die Oettingen-Wallersteinsche Bibliothek (S. 620) beschließt den Band. 38 zum Teil farbige Abbildungen der herausragenden Handschriften runden diesen gelungenen Katalog ab und geben auf ihre Art ein eindrucksvolles Bild der mittelalterlichen Handschriften dieses Bestandes, für den zu hoffen ist, dass durch die leichtere Erschließung anhand dieses Katalogs eine seiner Bedeutung angemessene Rezeption erfolgt.

Erschienen am 13.03.2008

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